|
Die
Theodor-Heuss-Realschule Meckenheim führt eine Reise
an den Ostrand Europas durch
Von Dienstag, dem 27. April, bis Samstag, dem 1. Mai 2010,
besuchten 14 Schülerinnen, 7 Schüler und 4 Erwachsene, davon 2 Lehrer
(Frau Zeller und Herr Fabritius), das junge EU-Land Rumänien,
und zwar auf Einladung der rumänischen Partnerschule der THR.
Ursprünglich sollte die Fahrt genau eine Woche früher und mit 30
Teilnehmern stattfinden, aber die Vulkanaschewolke verhinderte den
geplanten Abflug, so dass Schüler wie Erwachsene zunächst auf den
gepackten Koffern sitzen blieben. Als der Luftraum wieder geöffnet
wurde, zeigte sich, dass es nicht mehr für alle möglich war, den neuen
Termin wahrzunehmen. Zu den mit großem Bedauern zu Hause Zurückgelassenen
zählte auch Rektor Alfred Scholemann, der bei den vielen
Entscheidungen, die unterwegs zu treffen waren, sowie bei den
Begegnungen in Rumänien, vor allem in der dortigen Partnerschule,
vielfach vermisst wurde.
|

|
Die
Reise stellt sich im Rückblick als eine gelungene Mischung aus neuen
Erfahrungen, Wiedersehensfreude, Kontaktpflege und auch Abenteuer dar.
Schon auf dem Flughafen in Bukarest wurden die deutschen Gäste von der
rumänischen Kontaktlehrerin und einigen der Gastgeberschülern mit dem
Reisebus abgeholt, der ihnen in den folgenden Tagen zur Verfügung
stand.
Und das Programm des ersten Tages war für Gäste wie Gastgeber
neu und interessant: Ein erster Eindruck von der quirligen rumänischen
Hauptstadt mit ihren zwei Millionen Einwohnern und die Besuche in zwei
der Wahrzeichen Bukarests, nämlich in dem "Haus der freien
Presse" mit seinen zahllosen Redaktionen und dem
"Parlamentspalast", auch "Haus des Volkes" genannt,
das bekanntlich das weltweit größte Verwaltungsgebäude nach dem
Pentagon in Washington ist. Die Redaktion der "Allgemeinen
Deutschen Zeitung für Rumänien" hatte die Gruppe eingeladen und
gewährte nun einen Einblick in ihre Arbeit, und zwar zweisprachig, also
rumänisch und deutsch. Die Führung durch den weitläufigen und überreich
dekorierten ehemaligen Ceausescu-Palast ließ die Schüler nicht nur
staunen, sondern unter den Zehntklässern auch die Frage aufkommen nach
dem Sinn einer solchen verschwenderischen Architektur für ein Land,
dessen wirtschaftliche Probleme schon beim ersten Hinsehen unverkennbar
sind.
Danach folgte der Transfer nach Patarlagele im Kreis Buzau in der
nordöstlichen Walachei, wo die Gastgeber-Familien ihre Gäste
erwarteten. Unterwegs blieb noch Zeit für einen Besuch am Grab des
walachischen Fürsten Vlad dem Pfähler, dem Vorbild für den mythischen
Dracula. Und wie zu erwarten, wurde es ein Abenteuer: Die vollständig
ausgemalte Grabeskirche steht auf einer winzigen Insel in einem See, der
in kleinen Booten überquert werden musste, und wird von einem einsamen
Mönch besorgt, der der Gruppe zunächst aufgrund eines Missverständnisses
barsch begegnete, zum Schluss aber mit kleinen Geschenken für alle kam
und gern für Erinnerungsfotos posierte.
 |
 |
Der zweite Tag brachte die offizielle Begrüßung an der
Partnerschule, rumänischem Brauch gemäß mit Brot und Salz, die Eröffnung
der Ausstellung von Schülerarbeiten aus des Fächern Kunst und Technik,
mit denen sich die deutsche Gruppe präsentierte, Interviews mit der rumänischen
Presse, für die der Besuch ein wichtiges Ereignis in der Region war,
und ein gemeinschaftliches Malprojekt der deutschen und rumänischen Schüler,
die damit Gelegenheit zum wechselseitigen Kennenlernen hatten. Es folgte
der Besuch in der Mondlandschaft der nahegelegenen Schlammvulkane und
ein rumänischer Abend mit den Gastgebern, dem rumänischen
Lehrerkollegium und dem Bürgermeister, wo kulinarische Spezialitäten,
etwa am Spieß gebratenes Lamm, zu probieren waren und die deutschen Schüler
in rumänische Volkstänze initiiert wurden.
Am dritten Tag ging es mit gemischter Gruppe - deutsche und rumänische
Schüler und Lehrer - quer durch die Karpaten ins Landesinnere, besucht
wurde die Bauernburg Prejmer/Tartlau, die mittelarlerliche Stadt
Brasov/Kronstadt und des "Dracula-Schloss" Castel Bran/Törzburg.
Ausgiebige Möglichkeiten zu Erkundungen in kleiner Gruppe kamen den Schülerwünschen
entgegen, ein Empfang durch den evangelischen Stadtpfarrer der Schwarzen
Kirche von Brasov/Kronstadt brachte Aufschluss über die historischen
und sozialen Hintergründe und Gelegenheit zu Nachfragen, wobei die
Antworten auch hier rumänisch und deutsch erfolgten.
 |
 |
Der vierte Tag in Patarlagele zeigte die Reize der näheren
Umgebung, wo es Bernsteinfunde gibt, wobei kleine Andenken aus dem edlen
Material auch für den Geldbeutel der Schüler zu haben waren; eine noch
heute genutzte Höhlenkirche sowie aufgelassene Höhlenwohnungen zeigten
das lokale Spezifikum. Der Nachmittag blieb programmfrei, um den Gastschülern
und ihren gastgebenden Familien ein paar gemeinsame Stunden zur Verfügung
zu halten.
Der Samstagmorgen brachte den Abschied, bei dem viele Augen besonders glänzten.
Allerdings begleitete eine Gruppe rumänischer Schüler und Lehrer die Gäste
zurück nach Bukarest. Dort blieb Zeit für einen Stadtbummel sowie für
Photo-shootings vor dem ehemaligen Königspalast und dem noblen
Konzerthaus, dem "Rumänischen Athenäum". Die Stunden bis zum
Rückflug am Abend verbrachte die gemischte Gruppe im
"Dorfmuseum", dem Bukarester Freilichtmuseum, das die bäuerliche
Wohnkultur aller Landesteile dokumentiert. Das Wetter war mit 28° C
schon sommerlich, der freundschaftliche Gesprächston auf englisch schon
viele Tage lang geübt, ja, manche rumänische Abschiedsvokabel war zu hören:
"La revedere!" ("Auf Wiedersehen!") und "Pe
curand!" ("Auf bald!"). Tatsächlich kamen die Nachfragen
auf die begleitenden Lehrer zu, ob der Austausch nicht wiederholt und möglicht
auch verlängert werden könnte. Manche Verabredungen zwischen Gast und
Gastgeber bezüglich künftiger gegenseitiger Besuche wurden
privat getroffen. Und viele kleine Geschenke und Andenken wechselten von
Hand zu Hand, bevor das Flugzeug am Abend in Richtung Köln/Bonn schließlich
startete.
Die deutschen Schüler kamen bei dieser Reise für die Flugkosten auf
und revanchierten sich für die Unterbringung und Verpflegung in den rumänischen
Gastfamilien durch meist bescheidene Gastgeschenke. Die meisten waren ja
ihrerseits Gastgeber gewesen, als der Austausch vor einem Jahr begonnen
wurde und die THR damals rund 45 rumänische Gäste bei sich begrüßen
konnte.
Die restlichen Kosten, vor allem jene für den Reisebus und z. T. die
Eintrittsgebühren, haben diesmal Sponsoren getragen, ohne deren Hilfe
der Austausch nicht hätte verwirklicht werden können.
Wir danken den
Sponsoren für die finanzielle und materielle Unterstützung:
- Kleiderstube Kaleidoskop in Meckenheim
- AWO in Meckenheim
- Förderverein der THR und private Sponsoren.
|